Es war bekanntlich Zenon, der Philosoph aus Elea, der Achill mit der Schildkröte zusammenbrachte. Aber der berühmte Wettlauf des Helden von Troja mit dem panzerbewehrten Urvieh ist ja längst zu einem mathematischen Paradoxon mutiert, das zu unzähligen Interpretationsversuchen animiert hat, dem eigentlich kein weiterer hinzugefügt werden sollte. Viel ergiebiger ist es, die beiden zu einem neuen Wettlauf an den Start zu schicken. Einem, bei dem es nicht auf die Schnelligkeit der Füsse, sondern auf die Schnelligkeit der Gedanken und Argumentationen ankommt.
Also lassen wir doch die beiden eine Art sokratischen Diskurs führen. Warum ausgerechnet diese beiden und nicht – beispielsweise – Paris Hilton und Georg W. Bush? Nun, ganz einfach, weil Achill und Schildkröte über einen beachtlichen Sympathiewert verfügen. Der Halbgott Achill hat von Euripides über Hölderlin bis zu Christa Wolf literarische Spuren hinterlassen, und die Schildkröte hat zwar den grossen Aischylos getötet (was sie offenbar mittlerweile bereut, weil sie im Grund die Spezies der Poeten verehrt), wird aber schon nur deshalb geliebt, weil sie vom Aussterben bedroht ist.
Und der Gegenstand des Disputs? Da drängt sich die Infragestellung der Realität geradezu auf. Und zwar deshalb, weil diese beiden im Unterschied zu uns armen, in unserem Bewusstsein gefangenen Menschen über den Tellerrand der Erkenntnis hinausblicken können. Diskussionsstoff gibt es in Hülle und Fülle. Aber, und das unterscheidet diesen von hochgelehrten Diskursen, weigern sich die beiden Disputanten in striktester Weise, sich an eingeübte akademische Regeln zu halten.
Für Frau Schildkröte und Herrn Achill sind Ausdrucksformen und Personal der Popkultur (Comic, Manga, Anime, SciFi, etcetera) zum Generieren überraschender Erkenntnisse ebenso relevant wie die Thesen der grossen, im Elfenbeinturm der Philosophie thronenden klassischen Denker. Natürlich kommen auch die Vertreter der Moderne und Postmoderne nicht zu kurz. Jean Baudrillard und Luis Borges gehören zu den Lieblingen unserer beiden Disputanten, hingegen wird über allzu naiv-optimistische Zukunftsprojektionen aus der technoiden Ecke (Ray Kurzweil, Marvin Minsky) gelegentlich ein mit Ironie gefüllter Kübel ausgeleert.
Auf obigem Bild präsentiert sich übrigens unser Maskottchen: Major Motoku Kusanagi, die Heldin aus dem Kult Animé „Ghost in the Shell“ (und „Ghost in the Shell II – Innocence“).

April 19, 2007 um 1:33 |
Hi, this is a comment.
To delete a comment, just log in, and view the posts’ comments, there you will have the option to edit or delete them.